JUGGS auf dem 6. Deutschen Musikfest 2019 in Osnabrück

Nur alle 6 Jahre organisiert der BDMV (Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände) das größte Amateurmusikfestival Deutschlands. Die Friedensstadt Osnabrück eignet sich mit ihren schier endlosen Kirchen und Schulen direkt in der Innenstadt besonders zu einem solchen Fest. An mehr als 35 Veranstaltungsorten (Indoor u. Outdoor) fanden 450 Konzerte für 150.000 Besucher statt: Wertungsspiele, Wettbewerbsvorführungen und ein üppiges Rahmenprogramm mit dem „Who is Who“ der Blasmusikszene. Verpflegung und Unterbringung für knapp 14.500 teilnehmende Musiker waren bestens organisiert.

So weit im Norden fand das „Woodstock der Blasmusiker“, wie es im NDR schon genannt wurde, bisher noch nie statt. So war dieses Event auch bisher an uns Schwerinern vorbeigegangen und wir nahmen über Himmelfahrt erstmals mit gleich zwei Formationen aus der Landeshauptstadt teil, dem sinfonischen Jugendblasorchester JUGGS vom Goethe-Gymnasium und der Brass Band Potzblech von Ataraxia. Gemeinsam mit den Blasorchestern aus Grimmen und Greifswald waren wir „die“ Vertreter Mecklenburg-Vorpommerns.  Wir wussten ja, dass es im Süden Deutschlands mehr gibt, aber eine solche Dichte an Spielmannszügen, Marschkapellen, sinfonischen Blasorchestern, traditionellen Vereinsblasorchestern, Brass Bands und Percussiongruppen in bunten Trachten, Uniformen und Kostümen hatten wir noch nie gesehen!

Bei Ankunft bezogen wir mit anderen Ensembles unsere Schlafsäle (Klassenzimmer) in den altehrwürdigen und weitverzweigten Gängen des Carolinums, einer 804 n. Chr. von Karl dem Großen gründeten Schule direkt hinter dem Osnabrücker Dom. Die Stadt begrüßte uns freundlich mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und Betreuern.

Auf dem Schulhof vor Karl dem Großen
Auf dem Schulhof vor Karl, dem Großen

Ab nun hieß es: Und täglich grüßt der 2/4-Takt! Schon früh morgens bis spät abends übten auf dem Schulhof Jugendliche ihre Choreographien für den Wettbewerb der Spielleute, die Marching Bands ihre Shows für das Drum Battle und auf allen Bühnen der gefühlt 1000 Sporthallen, Schulhöfe und Aulas tönten neben den Kirchenglocken - Blasinstrumente!

Das ein oder andere Stück, das wir selbst schon einmal gespielt hatten, lockte uns zu einem Hörvergleich zur Bühne und man konnte viele neue Ideen fürs Repertoire sammeln, auch wenn sich einige Stücke als Dauerbrenner von Bühne zu Bühne wiederholten. Ufftata beim Abendbrot, Ufftata auf dem Schulhof, Ufftata in den traditionellen Wertungsspielen und Klatschen auf die 1 und die 3 beim Laufen durch die schöne Innenstadt. Nach 4 Tagen geballter Blasmugge stehen bei uns einige Stücke auf dem Index, haben wir die Hymne der Blasmusiker „Vogelwiese“ und den „Musikergruß“ kennengelernt und festgestellt, dass Uniformen, Polkas und Märsche nicht überall in Deutschland aus der Mode gekommen sind.

Dialekte treffen hier aufeinander ebenso wie Musiziertraditionen und so merkten wir schnell, dass wir zwar alle gemeinsam musizieren können (wie auf dem Domplatz das Deutschlandlied und die Europahymne zum abschließenden Festkonzert mit dem Bundespräsidenten und großer Medienpräsenz), unsere Herzen auch alle an Musik hängen, aber wir doch auch aus verschiedenen Heimat(en) kommen und generationsübergreifend noch vieles voneinander lernen können (z. B. von den alten Hasen, wo und wie man Notenblätter fürs mobile Musizieren überall drapieren kann).

Unser Wertungsspiel in einer akustisch nicht optimalen Turnhalle
Unser Wertungsspiel in einer akustisch nicht optimalen Turnhalle

Nachdem unser Pflichtprogramm im Wertungsspiel mit einer recht sparsamen Juryauswertung beurteilt wurde, bei welcher der Vergleich unserer Musik mit einem ausgequetschten Schwamm dominierte, war das Ergebnis bei der Bekanntgabe dann überraschend positiv. Das Prädikat „sehr gut“ motivierte uns in der übervollen Halle dann doch zu Freude und Jubel und schwächte den wohl immer in Erinnerung bleibenden kreativen Dialog rund um die Wörter „Schwammorchester“, „Spongebobs“, „Schwaggs“ etc. etwas ab.

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... und in der großen Festarena

Die weiteren Konzerte stellten mit Wind, Sonne, Auf- und Abbau in der vollen Fußgängerzone oder im heißen Essenssaal mit straffem Timing eine Herausforderung für alle dar. Leistung und Konzentration sowie Begeisterung und spielerische Qualität auf Knopfdruck, da fehlt uns die Bierzelterfahrung der süddeutschen Vereine.

Mit unserem sinfonischen und populären Programm konnten wir uns jedoch deutlich von vielen Orchestern abheben und so traten im Anschluss an unsere Auftritte viele Fachleute mit Lob für die Stückauswahl, Qualität und die reibungslose Logistik hinter der Bühne an uns heran.

Auch Potzblech erreichte im neuen Brass-Entertainment-Wettbewerb einen sehr guten 3. Platz und konnte sich gegen manches Erwachsenen-Amateur-Orchester durchsetzen, denn vom Alter her wurde hier nicht unterschieden.

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So was hat man lange nicht gesehen und gehört: Tausende in der Sonne blitzende Blas- und Schlaginstrumente beim „Musikergruß“ auf dem großen Abschlusskonzert vor dem Dom. Und man wird es erst wieder in 6 Jahren in einer deutschen Stadt zu sehen und zu hören bekommen. Vielleicht wird auch dann Schwerin wieder vertreten sein mit seinen jungen Blasorchestern, die noch recht neu dabei sind in der Bläserszene, aber die gezeigt haben, dass sie durchaus mithalten können mit den alten Hasen! Do san mia dabei…!